Die kleine Andacht

(Pfarrerin Thurn)

"Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt". (Hebr 13,2)

Liebe Gemeinde! Gastfreundschaft war früher noch etwas anderes als heute. Es gab kaum Herbergen oder gar Hotels; in fremden Gegenden konnte man sich nicht einfach etwas kaufen, um zu essen und zu trinken; manchmal sprach man auch die Sprache der anderen schlecht oder gar nicht. Man war also auf Reisen wirklich „fremd“. Zudem war das Reisen als solches beschwerlich, man verletzte sich schnell.

Was also tun? Natürlich auf Menschen hoffen, die das verstehen, weil es ihnen womöglich schon ähnlich ergangen war. Man klopfte an die Türen der Fremden und bat um das, was man nötig hatte. Und konnte auf Menschen treffen, die der „neuen“ Religion des Christlichen angehörten. Und eben die erhalten im Hebräerbrief einen Rat. Es könnten Engel unter den Gästen sein, ist der Rat. Der Rat ist schön, stimmt aber leider nicht immer. Es können auch Strolche darunter sein. Natürlich. Aber soll man deshalb alle Türen und Herzen schließen?

Nein, sagt der Hebräerbrief, um Christi Willen: Nein. Misstrauen ist kein Wert an sich. Vorsicht vielleicht, aber nicht Misstrauen. Darum wagt es bitte wieder, wenn ein Fremder in der Nähe ist: Bringt ihm Vertrauen entgegen. Er muss ja nicht in euren Betten schlafen, er soll aber, um Christi willen, nicht ohne Hilfe bleiben.

So wünsche ich Ihnen, dass Sie nicht die „Engel“ verpassen, die auch heute noch unterwegs sind.

Ihre Pfarrerin Susanne Thurn