Die kleine Andacht

Satan schüttet die Plagen über Hiob aus - Aquarell von William Blake - wikimedia.org

 

„Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt…“ Hiob 19,25

Liebe Gemeinde,

 

jetzt werden die Tage wieder merklich kürzer. Es wird früher dunkel. Der Herbst kommt. Wieder verändert sich unser Leben. Wir bleiben mehr in unseren Häusern.

Vielleicht behandeln wir deshalb in unserer Kirche am Ende des Kirchenjahres sehr ernsthafte Themen: Beim Erntedankfest im Oktober erinnern wir uns daran, wie wichtig es ist, unsere Schöpfung zu bewahren. Im November machen wir uns in der Friedendekade Gedanken über Krieg und Frieden, bedenken am Buß- und Bettag kritisch unser eigenes Leben und denken am letzten Sonntag im Kirchenjahr über den Tod und die Ewigkeit nach.

Zu all dem passt der Monatsspruch im November sehr gut. Wir lesen bei Hiob: „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ In der Bibel lernen wir in Hiob einen Menschen kennen, der sehr viel leiden muss. Er verliert seine ganze Familie, all seinen Reichtum und zuletzt noch seine Gesundheit. Womit hat er das verdient? War er ein schlechter Mensch? Nein, er war das Gegenteil. Er war ein sehr gottesfürchtiger Mann. Deshalb versteht er die Welt nicht mehr. Er weint, er schreit, er beklagt sich bei Gott. Er fühlt sich ungerecht behandelt. Und doch kann er in seiner Qual erkennen „ich weiß, dass mein Erlöser lebt“. Das Hiob Buch steht im Alten Testament. Deshalb meint Hiob mit „Erlöser“ nicht Jesus, sondern Gott selbst. Letztlich vertraut er darauf, dass Gott ihn am Ende erlösen wird.

Hiob wird nicht nur am Ende durch seinen Tod erlöst. Er darf eine Gottesoffenbarung erfahren und wird letztlich gesund und wieder reich.

Doch nicht alles, was wir erleben, geht immer gut aus. Wir müssen manchen Schmerz, manches Unrecht, Ängste und Ohnmacht durchleben. Aber das ist keine Strafe Gottes. Es ist Teil unseres Lebens. Und in all dem begleitet uns Gott und will uns die Kraft geben, die wir brauchen. Denn „unser Erlöser lebt“. Ich hoffe, Sie wissen das- wie Hiob.

Und ganz am Ende dieses irdischen Lebens wird uns Gott nach dem Tod erlösen und in sein Reich des ewigen Friedens aufnehmen.

So wünsche ich Ihnen in dieser dunkleren Zeit viele helle und erlösende Gedanken

 

Ihre Pfarrerin Susanne Thurn